The Boneyard ( German ) Phil Becker The Boneyard ( German ) Phil Becker

Der Igel mit der Weinflasche

Alex warf einen Blick auf die Pfannen aus Gusseisen. Er nahm die kleinste mit dem 26er Durchmesser.

Gerade als er sie zurück ins Regal legte, um sich anschließen auf die 32er Pfanne zu stürzen, huscht eine junge Frau zwischen ihm und das Regal und sieht sich die Löffel mit Holzgriffen an.

Er schaute ein wenig verdutzt.

Doch dann sagte er höflich “Hey ich greif mal eben über dich rüber, nicht erschrecken.”

Und Griff nach der Pfanne.

“Ja mach doch einfach…”, zischte die Frau ihm an, ohne ihn dabei auch nur anzusehen.

War das wieder falsch? Hätte er einfach gar nichts sagen sollen? Nein. Es war höflich. Wenn sie sich angebaggert fühlt, ist das ihr Problem.

Doch es nervte ihn sichtlich.

“Denken Sie ich wollte flirten? Meine Frau steht direkt dort hinten und ich war wirklich nur an der Pfanne interessiert, nicht an ihnen.” Verteidigte er sich mit einem leicht patzigen Unterton.

Die Frau blickte auf.

Sie rollte mit den Augen.

“Selber schönen Tag”, seufzte er und legte die Pfanne zurück, ohne dabei diesmal auf die Frau zu achten.

Ohne die Situation weiter zu kommentieren, suchte er seine Frau auf und schloss sich ihr an.

Sie schien etwas genervt. Er griff nach ihrer Hand.

“Alles in Ordnung?”, tastete er sich heran.

“Ja passt schon.”

Hatte sie von der Situation mit der anderen Frau mitbekommen? Was hatte er denn falsch gemacht? Er wollte doch nur nach einer neuen Pfanne sehen.

“Wirklich?”, hakte er nach.

“Alex. Ja. Alles in Ordnung.”

Nichts war in Ordnung.

Er fing wieder an, a seiner Lippe zu kauen.

“Okay wenn du die Situation mit der Frau da hinten meinst, da gibt es keinen Grund sich aufzuregen!, zischte er sie an.

Seine Frau blieb neben dem Regal mit den Kinder-Topflappen stehen.

“Ach nein, Alex? Siehst du das so?”, zischte sie zurück, als würde sie einen schweren Eimer Steine halten.

“Komm schon, es ist so ein schöner Tag. Es ist doch nichts passiert.”

“Du hast recht. Ich sollte mich wahrscheinlich nicht so reinsteigern. Das willst du mir doch damit sagen, ja?”

Alex seufzte wie nach einem langen Lauf.

“Ja vielleicht solltest du das nicht. Vielleicht solltest du einfach mal öfter chillen!”

Jetzt hielt er den Eimer Steine. Seine Frau hatte noch ein paar davon hineingeworfen.

“Ich meine ja, wir leben in anderen Zeiten, aber mehr als Kommunizieren kann man ja nicht und wenn man dann an eine ignorante Vollidiotin gerät, dann atmet man tief durch und der Tag geht weiter. Es ist doch alles in Ordnung!”

Seine Frau sah ihn an, als wollte sie ihm den Eimer Steine nun über seine Geheimratsecken ziehen.

“Du findest also, dass alles in Ordnung ist?”

Alex atmete tief durch die Nase ein - und mit einem “Ja das finde ich”, wieder aus.

Seine Frau drückte ihre Lippen angespannt nach vorne.

“Mein Mann. Mein wundervoller Ehemann findet es also in Ordnung, wenn eine fremde Frau mich anrempelt, als ‘Blöde Schlampe’ bezeichnet und dann nicht mal eingreift. Neeein, stattdessen lässt er ihr am nächsten Regal auch noch den Vortritt und gerade als ich denke, er zieht dieser dummen Kuh eins mit der Pfanne über, lächelt er sie noch an!”

Alex sah aus, wäre der Eimer Steine ihm auf den großen Zeh gefallen.

“Was?!”, platzte es aus ihm heraus.

Dann fing er an zu lachen.

“Du findest das lustig?”

Alex lachte weiter und deutete mit seinem abgekauten Daumen hinter seine Schulter.

“Ich war selbst genervt von der dummen Kuh.”

Seine Frau sah ihn skeptisch an.

“Ja. Ich wollte ihr nur höflich sagen, dass ich noch nicht fertig am Regal war, da zickte sie mich an, als hätte ich sie angebaggert.”

Alex testete erneut die Stimmung seiner Frau, indem er ihr vorsichtig über die Schulter streifte.

“Schlampe. Ich hab mir für Emilia die letzte Geburtstagskarte geschnappt,” sie hielt eine Karte mit einem süßen Igel hoch, der eine Weinflasche als Baseballschläger nutzte. “Dann fragte sie mich in ihrer höflichen Art, ob sie die haben könnte”

Alex rollte mit einem Lächeln die Augen.

“Und du hast nein gesagt.”

“Natürlich habe ich nein gesagt. Erstens war die scheisse unfreundlich und hallo? Einen Igel mit einer Weinflasche, den gibt man nicht einfach her.”

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