150 Wörter aus einem Projekt, das ich hoffentlich irgendwann mal fertigstellen werde
150 Wörter sind nicht viel, aber genug um seit mittlerweile etlichen Jahren in einer staubigen Ecke meines Kopfes zu wohnen.
150 Wörter sind nicht viel, aber genug um seit mittlerweile etlichen Jahren in einer staubigen Ecke meines Kopfes zu wohnen.
Es geht um einen jungen Mann, der sich vor Einsamkeit zu langweiligen scheint - und vielleicht leidet er auch darunter.
Eines Abends, während einer stundenlangen Social media doomscrolling session, stößt er auf eine App, die im Verlauf der Geschichte Besitz über ihn und sein kleines Leben ergreifen wird.
Ich bin mir nicht sicher ob mir diese Idee bevor, oder nachdem ich von Replika AI gehört habe. Doch dieses Black Mirror mäßige Szenario schien mir direkt als erstes in den Kopf zu schiessen.
,,Ich hau dann ab!’’ ruft Jason seinem Freund und Kollegen Samir zu, während er sich die Schürze vom Leib zieht und in seinen Spind hängt.
,,Lauf nur, solange du noch kannst!’’ erwidert Samir gefolgt von einem lauten, herzhaften Lachen. Samir war ein großer, gut gebauter Mann mit wohlgenährtem Bauch. Auf den ersten Blick wirkt er sehr einschüchternd, sobald man ihm jedoch in seine großen braunen Bärenaugen sieht, wirkt er fast schon ein wenig zerbrechlich.
Es war Samstag Abend, der vollste Tag im Echo’s. Die beiden haben schon den ganzen Tag zusammen gearbeitet. Samir übernimmt noch die Abendschicht, da er und sein Mann auf eine eigene Wohnung sparen.
,,Ich bin doch schon längst weg!’’ Jason schließt die Hintertür der Küche und steigt auf sein Motorrad im Hinterhof des Diners.
Die Kunst des Konflikts: Warum Figuren in Geschichten kämpfen müssen, um Spannung aufzubauen
Wäre es nicht schön, wenn das Leben eine Einbahnstraße wäre? Wir haben einen Traum, setzen uns ein Ziel und gehen einfach geradeaus darauf zu!Was im echten Leben für viele unter uns wunderbar scheinen mag, wäre bei einer Geschichte die wir lesen, anschauen oder hören wohl ein absoluter Albtraum – denn uns wäre dabei sehr wahrscheinlich zum Sterben langweilig.
Wäre es nicht schön, wenn das Leben eine Einbahnstraße wäre? Wir haben einen Traum, setzen uns ein Ziel und gehen einfach geradeaus darauf zu!
Was im echten Leben für viele unter uns wunderbar scheinen mag, wäre bei einer Geschichte die wir lesen, anschauen oder hören wohl ein absoluter Albtraum – denn uns wäre dabei sehr wahrscheinlich zum Sterben langweilig.
Genau dies ist der Grund, aus dem eine Figur in einer Geschichte immer kämpfen sollte. Für Action-Liebhaber im buchstäblichen Sinne, aber auch darüber hinaus macht ein Kampf – ganz gleich ob es ein innerer oder ein äußerer Konflikt ist – eine Handlung erst so richtig spannend. Das kann ganz alltäglich der Vater, welcher mit allen Mitteln um das Sorgerecht für seine Tochter kämpft oder auch ganz spektakulär die Kriegerin in einer epischen Schlacht um das Königreich sein.
Diese Kämpfe werden spannend, wenn wir uns mit der Figur identifizieren können oder sie uns zumindest wichtig ist. Dafür muss sie nicht einmal zwingend gut sein. Auch in bösen Figuren erkennen wir Teile von uns wieder oder bauen Verbindungen zu ihnen auf, wenn wir beispielsweise ihren Leidensweg kennen oder sie uns in anderer Weise nahe stehen.
Haben wir unsere Figur dann kennengelernt, dann geschieht etwas in ihrem Leben, das sie zum Handeln zwingen wird. Ein ereignisreicher Moment, der das Leben völlig auf den Kopf stellt. Vielleicht zögert die Figur anfangs oder läuft davon, aber letztendlich muss sie sich diesem Problem stellen. Jetzt sind wir im besten Fall auf der Seite der Figur. Wir wollen, dass sie gewinnt! Damit wir als Autoren das Ganze noch etwas schärfen, bauen wir ein großes Risiko ein. Dieses Risiko kann gar nicht (und das meine ich genau so wie ich es schreibe) groß genug sein. Je weiter wir die Fallhöhe ausbauen, desto höher ist der Spannungsbogen.
Je weiter wir die Fallhöhe ausbauen, desto höher ist der Spannungsbogen.
Damit wir also eine spannende Figur und dessen Geschichte interessant erzählen können, gehen wir einmal genauer durch diese drei Punkte:
• Die Empathie
• Der Kampf
• Das Risiko

Die Empathie
Damit wir jemanden mögen hilft es oft, dass wir uns mit dieser Person identifizieren können. Das funktioniert oft über sehr grundlegende Gefühle wie Freude, Angst, Hass oder immer ganz präsent: der Liebe. Die Liebe ist nicht immer zwingend bloß das romantische Miteinander. Sie steckt genau genommen überall. Aus der Liebe heraus ist der Mensch zu eigentlich allem fähig. Damit wir eine Figur anfangen zu lieben, muss sie also nicht direkt gut oder heldenhaft sein. Wir sind auch in der Lage den Schurken zu lieben, wenn wir lange genug Zeit mit ihm verbringen. Sieht man nur das Äußere, dann urteilen wir schnell, besonders dann, wenn die Figur so gar nicht zu unseren eigenen Werten passt. Lernen wir die Figur dann aber genauer kennen, verbringen Zeit mit ihr und ändern im besten Fall sogar unsere Meinung über sie, weil wir die Beweggründe zumindest nachempfinden können, dann hat sie uns in den meisten Fällen für sich gewonnen.
In meiner Schulzeit gab es einen Jungen, der dafür bekannt war ständig Blödsinn zu machen. Er hat sich oft geprügelt, Schuleigentum beschädigt und ist auch im Unterricht nicht allzu knapp negativ aufgefallen. Nicht viele mochten ihn – eigentlich niemand. Nicht einmal das Lehrpersonal bemühte sich um ihn. Als ich dann im Laufe der Zeit durch Zufall erfahren habe, aus was für einem Elternhaus er stammt, tat er mir leid. Zwar fand ich sein Handeln nach wie vor nicht sonderlich edel und ich hatte auch noch immer Angst vor ihm, aber ich konnte schon als Teenager reflektieren, dass es ihm wohl nicht allzu gut zu gehen scheint. Wenn ich jetzt daran denke, dann wollte er wohl einfach nur wahrgenommen werden. Vielleicht hätte es ihm geholfen, wenn zumindest die Schule ein schöner Ort für ihn gewesen wäre.
Was ich mit diesem Beispiel sagen möchte ist, dass je vielschichtiger eine Figur wird, desto nahbarer wird sie für uns. Das führt in den meisten Fällen dazu, dass sie uns wichtig wird. Wäre der Junge aus dem Beispiel eine Hauptfigur unserer Geschichte, dann könnten wir einen alten Hausmeister einbauen, der ihn nach und nach unter seine Fittiche nimmt. Da er jedoch selbst viele Kämpfe im Leben auszutragen hat, kann er nicht die Zeit aufbringen, den Jungen eventuell sogar bei sich aufzunehmen. Wir als Zuschauer wünschen es uns aber so sehr, weil wir wissen, dass unser kleiner Freund nur eine Bezugsperson braucht, die ihn wertschätzt und leitet. Deshalb bleiben wir dran. Das innere Bedürfnis des Jungen geliebt zu werden, ist plötzlich auch unser Bedürfnis geliebt zu werden geworden.

Der Kampf
Kommen wir nun zum Kern des Ganzen: der Kampf. Der Kampf – oder – der Konflikt, den die Figur über die Geschichte hinweg durchlebt, ist maßgeblich für eine spannende Erzählung, denn er sorgt für Spannung, Leidenschaft und Spaß! Ja, auch Spaß. Denn ein Kampf, so heroisch dieses Wort auch klingen mag, muss nicht zwingend dramatisch oder kriegerisch sein. Jede gut geschrieben Figur hat ihren eigenen Kampf, banal oder spektakulär. Auch in einer Feel-Good-Komdie gibt es Kämpfe und Konflikte.
Damit so ein Konflikt entsteht, brauchen wir eine Gewisse Reibung. Diese setzt sich zusammen aus einem Ziel und einem Hindernis.
Das Ziel sollte immer so gesetzt sein, dass es der Figur so wichtig wie nur möglich ist. Das kann ein großes Ziel über die gesamte Erzählung hinweg sein, begleitet durch kleinere Zwischenziele im Laufe der Handlung. Damit dieses Ziel zu einer spannenden Geschichte wird, benötigen wir einen möglichst starken Widerstand, der diese gewisse Reibung erzeugt: das Hindernis.
Dieses Hindernis darf so groß sein wie ein Elefant in einem Hamsterkäfig. Je mehr Reibung, desto mehr Spannung. Der Hausmeister möchte den Jungen bei sich einziehen lassen. Legen wir ihm alles Mögliche an Steinen in den Weg! Jugendamt, die Eltern, sein geringes Einkommen, seine Frau, die Schulleitung. Je schwieriger das Hindernis und je wichtiger das Ziel, desto interessanter der Konflikt!
Denken wir doch einfach an all die Filme und Bücher, bei denen wir es kaum ausgehalten haben diese weiter zu verfolgen. Genau solche Momente werden durch genau diese Konflikte erzeugt. Wäre alles belanglos, dann greifen wir wieder zum Smartphone und spielen Candy Crush, während wir uns von irgendetwas berieseln lassen.
Das Risiko
Ich denke uns allen ist die Floskel ,,No risk, no fun‘‘ geläufig. Auch in Bezug für gute Geschichten finden diese Worte ihren Platz. Deshalb empfinde ich den Satz ,,No risk, no story.‘‘ als noch sehr viel treffender für unser Vorhaben. Denn gute Geschichten beinhalten immer ein gewisses Risiko. Schlägt man den Begriff ,,Risiko‘‘ einmal schnell nach, dann finden wir dort das Wort ,,Sicherheit‘‘. In einem Risiko wird die Sicherheit einem übergeordneten Ziel hinten angestellt. Das kann einem oft ganz schöne Angst machen. Nicht nur im eigenen Alltag, sondern auch bei einem Film oder einem Buch.
Jetzt verfolgen wir unsere Figur also eine Weile durch unsere Geschichte, haben sie lieb gewonnen und befinden uns in einem Konflikt. Ab einem Gewissen Punkt muss die Figur neben all den Problemen im besten Fall (für unseren Spannungsbogen) eine schwerwiegende Entscheidung treffen. Auch dort bestimmt die Fallhöhe die Spannung. Da unsere Figur natürlich gewinnen möchte, entscheidet sie sich selbstverständlich für die in der Handlung spannendere Problembewältigung. Schießen oder nicht schießen? Springen oder nicht springen? Spreche ich meinen Schwarm an oder bleibe ich stumm? Sollte ich meinen Vater konfrontieren oder lieber weiter meine Gefühle unterdrücken?
All diese Dinge lösen bei uns im echten Leben ziemlich starkes Herzklopfen aus. Wieso also sollte dies für eine gut inszenierte Geschichte nicht gelten?
Okay, jetzt haben wir ein wenig besprochen, weshalb es so wichtig ist, dass sich unsere Figuren in Konflikte stürzen um eine Geschichte mit Leben zu füllen. Das Schöne an diesen Punkten ist, dass man anhand dieser Tipps eine noch so banale Handlung interessant und spannend gestalten kann. Für mich persönlich ist das Setting bei einem guten Film beispielweise völlig egal, solange das Geschehen interessant ist. Ein gutes Beispiel dafür ist der Film ,,No Turning Back‘‘ mit Tom Hardy in der Hauprolle! Den ganzen Film über sehen wir den Darsteller in seinem Auto telefonieren. Langweilig, oder? Falsch! Dieser Film hat mich so enorm gefesselt, dass ihn wirklich jedem weiterempfehlen kann. Der Kampf, den diese Figur austrägt, ist so unfassbar gut gelungen, dass einem bei der Vorstellung selbst in dieser Situation zu sein richtig anders zumute wird.
Also, das war es dann für diesen Teil von mir. Danke, dass Du meinen ersten Blog-Eintrag bis hierhin gelesen hast! Sollte er dir gefallen haben, dann teile ihn doch gerne und/oder sende mir ein Feedback, falls du noch Kommentare und Anregungen hast.
Viel Spaß beim Schreiben!
Phil
Erfolgreiches Storytelling: 3 bewährte Strategien zur Steigerung der Erzählspannung
Erfolgreiches Storytelling erfordert mehr als nur eine gute Idee – es geht um die Kunst der Dramaturgie! In unserem Artikel entdecken Sie drei bewährte Strategien, um die Erzählspannung zu steigern und Ihre Geschichten fesselnder zu gestalten. Erfahren Sie, wie Gegensätze, die Unwissenheit Ihrer Figuren und überraschende Wendungen das Publikum in den Bann ziehen können. Ob Sie ein Drehbuch schreiben oder einen Roman verfassen, diese Tipps helfen Ihnen, Ihre Erzählungen auf das nächste Level zu heben. Lassen Sie sich inspirieren und bringen Sie frischen Wind in Ihre Geschichten!
In den folgenden Zeilen gehen wir einmal durch, wie wir unsere Dramaturgie spannender gestalten und somit eine interessantere Geschichte erzählen können.
Falls der Begriff Dramaturgie einigen unter uns nicht direkt geläufig ist, hier eine kurzer Einstieg:
Was ist Dramaturgie überhaupt?
Unter dem Begriff Dramaturgie versteht man die dramatische Struktur einer Erzählung. Das bedeutet, dass hier die Auswahl erzählerischer Mittel sowie deren Anordnung stattfindet.
Einfacher ausgedrückt: Die Dramaturgie ist der rote Faden dem die Geschichte folgt.
Dieser rote Faden ist deshalb so wichtig, weil hinter dem Aufbau eines Filmes, Theaterstück oder einem Roman mehr Arbeit steckt als so mancher auf den ersten Blick vermuten mag.
Bei einer geschlossenen Dramaturgie zum Beispiel, gibt es einen festen Rahmen, in dem die Geschichte stattfindet. Bei einem Drehbuch bedienen sich viele Autoren deshalb klassisch der 3-Akt-Struktur: Einleitung, Hauptteil, Schluss. Wer in der Schule war und Aufsätze geschrieben hat, dem wird dieser Ablauf sicherlich geläufig sein. Wenn nicht, dann sehe ich den Bildungsauftrag hiermit als erfüllt.
Wer nicht ganz so geschlossen arbeiten möchte, der bedient sich der offenen Dramaturgie. Hier besteht, wer hätte es gedacht, kein fester Rahmen. Das ist gar nicht mal so verkehrt, denn diese Vorgehensweise ermöglicht uns zum Beispiel das Erzählen von mehreren, parallel ablaufenden Handlungssträngen. Da dem Zuschauer dabei die Geschichte oft nicht auf dem Silbertablett serviert wird, regt dieser Ansatz zum Nachdenken an und fordert das Publikum dazu auf, aktiv am Geschehen teil zu haben, was durchaus interessant sein kann.
Jetzt wo wir wissen, was es mit dem Begriff der Dramaturgie auf sich hat, kommen wir zum nächsten Abschnitt und dem Kern dieses Artikels.
Wie baue ich eine gute Dramaturgie auf?
Wir wissen jetzt also, wie unser Fahrzeug heisst und wie es grob funktioniert. Nun müssen wir noch lernen wie man es fährt.
Los geht’s!
Die Gegensätze
Als wäre es schon fast ein Naturgesetz, sind wir Menschen fasziniert von Gegensätzen. Genauso wie im letzten Artikel bei Ziel und Hindernis unserer Figur besprochen, erzeugen starke Gegensätze auch in der Handlung großartige Geschichten.
Ganz klassisch und überaus prominent ist hier selbstverständlich der Kampf von Gut gegen Böse. Da wir Menschen ohnehin schon Meister darin sind, unsere Welt in Gut und Böse zu unterteilen: Warum sollten wir dann nicht auch Gebrauch davon machen, diese beiden Gegenpole in einer Geschichte gegeneinander antreten zu lassen: Mittelerde gegen Sauron, die Jedi gegen die Sith, Mr Krabs gegen Plankton oder Rick gegen Negan.
Gegensätze können jedoch auch vielschichtiger sein. Ein gutes Beispiel dafür ist meiner Meinung nach die preisgekrönte Serie Breaking Bad. Alles beginnt damit, dass Walter White gegen den Krebs ankämpft. Um diesen Kampf zu “gewinnen“, möchte er dafür sorgen, dass seine Familie nach seinem Tod finanziell gut versorgt ist. Da er Chemiker ist und sich dementsprechend auch unter gegebenen Umständen mit dem Thema Drogen vertraut machen kann, beschließt er genau diese herzustellen und zu verkaufen. Ein weiterer, großer Gegensatz, da seine Person eher einem introvertierten Chemie-Lehrer im Ned Flanders-Look entspricht. Ups.
Dann entwickelt sich ein Gegensatz nach dem anderen, bis er am Ende sogar gegen sich selbst ankämpft. Für uns bedeutet das also auch, dass wir diese wertvollen Gegensätze also auch an unsere Hauptfigur knüpfen können. Vielleicht hilft dir dabei auch einer meiner letzten Artikel: DIE KUNST DES KONFLIKTS: WARUM FIGUREN IN GESCHICHTEN KÄMPFEN MÜSSEN, UM SPANNUNG AUFZUBAUEN.
Die Unwissenheit unserer Figur
Wer sich selbst oft dabei erwischt, seine Couchgenossen oder Kinonachbarn mit einem ,,Nein! Mach das nicht!“ zu beschallen, der wird diesen Punkt hassen – oder lieben.
Einer jedenfalls, liebt diese Unwissenheit so sehr, dass er gleich einen Begriff dafür definiert hat. Dieser Jemand ist niemand geringerer als Alfred Hitchcock – der Erfinder des MacGuffins.
Da dieser Begriff so prägend für viele Filmschaffende ist, lassen wir Mr Hitchcock doch einfach mal kurz selbst sprechen:
,,Nehmen wir an, da ist eine Bombe unter diesem Tisch zwischen uns. Nichts passiert. Und dann plötzlich: „Bumm!“ Es gibt eine Explosion. Das Kinopublikum ist überrascht. Bis da hat es eine gewöhnliche Szene gesehen, die keine besondere Bedeutung hat. Nun nutzen wir die Dramaturgie: Wir erfinden eine spannende Situation. Sprengstoff liegt unter dem Tisch. Der Zuschauer hat die Person gesehen, die den Sprengkörper dort hingelegt hat. Er ist sich bewusst, dass die Bombe um zwölf Uhr explodiert. Darum steht eine Uhr im Dekor. Jeder sieht, es ist Viertel vor zwölf. So wird das gleiche, harmlose Gespräch vor der Explosion eine Qual, weil der Kinobesucher emotional in die Szene eintaucht. Er will die Figuren warnen: „Rede nicht über so triviale Dinge. Da ist eine Höllenmaschine unter dem Tisch. Sie ist dabei, zu explodieren!“
Ich spreche davon, dass es extrem spannend ist, wenn wir als Publikum eine Art Wissensvorsprung gegenüber unserer geliebten Figur haben. Das kann zum Beispiel eine Situation sein, in der unsere Figur ein Gebäude betritt, von dem wir ganz genau wissen, dass es überaus gefährlich für sie ist. Das Problem: Wir können die Figur nicht davon abhalten hineinzugehen.
Dieses Gefühl löst bei den besonders hilfsbereiten unter uns enormen Stress aus. Der Vorteil: Genau das suchen wir doch, wenn wir uns dafür entscheiden einen spannenden Film zu sehen oder einen Thriller zu lesen.
Unwissenheit funktioniert auch deshalb so gut, weil wir uns bei einer gut geschriebenen Figur leicht in sie hineinversetzen können. Ganz einfach formuliert wissen wir also was uns passieren wird, können uns jedoch nicht dagegen wehren.
Die Überraschung
Überraschungen. Die einen hassen sie, die anderen lieben sie. Je nachdem wie man Liebe und Hass auslegt, scheint dieser Tipp in jedem Fall ziemlich beliebt zu sein.
Besonders gut funktionieren Überraschungsmomente natürlich in Horrorfilmen. Der Teufel, der nach ein paar Schuss-Gegenschuss Einstellungen plötzlich hinter einem der Protagonisten auftaucht oder die Hand, welche plötzlich unter dem Bett hervorspringt. Kennen wir alle.
Diese Überraschungen können auch sehr viel subtiler stattfinden und müssen nicht uns nicht zwingend aufschrecken lassen. Was fast schon unnötig klingt zu erwähnen, jedoch viel zu effektiv ist, um es wegzulassen, sind eben genau diese plötzliche Anrufe mit der Information, welche die Handlung komplett verändert. Aber auch die Person, die eigentlich tot scheint, dann aber unerwartet im richtigen Moment auftaucht.
Das waren sie, die 3 Tipps, welche unsere Erzählungen zu einer interessanteren Geschichte formen. Sehr wahrscheinlich waren diese drei Punkte kein verborgenes Wissen, welches nach jahrelangem Verschluss plötzlich zum Vorschein kommt. Das muss auch gar nicht so sein, denn oft ist es gar nicht nötig das Rad neu zu erfinden. Es kann aber hilfreich sein, sich diese scheinbar offensichtlichen Punkte noch einmal vor Augen zu führen, um das Rad besser zu fahren.
Viel Spaß beim Schreiben!
Phil